Milchzucker-Unverträglichkeit

Krampfartige Bauchschmerzen nach dem Genuss von milchhaltigen Speisen können ein Hinweis auf eine Laktose-Intoleranz sein.

Etwa jeder Siebte, das sind rund 12 Millionen Menschen, leidet in Deutschland unter Bauchrumoren, Blähungen und Verdauungsstörungen, ausgelöst durch eine Unverträglichkeit gegen den in Milch und Milchprodukten enthaltenen Milchzucker. Obwohl sich mittels einfacher Tests schnell feststellen lässt, ob eine solche Unverträglichkeit vorliegt oder nicht, kennen nach wie vor viele Betroffene nicht die Ursache ihrer Beschwerden. Das hat fatale Folgen: Sie passen ihre Ernährung nicht den Besonderheiten ihre Erkrankung an und leiden deshalb weiter.

Bedeutung von Laktose und Laktase

Um zu verstehen, warum manche Menschen Milchzucker schlecht vertragen, muss man sich den Verdauungsvorgang genauer anschauen: Milchzucker – aus dem Lateinischen abgeleitet von lactis = Milch und der Endung -ose für Zucker, auch unter dem Begriff Laktose bekannt – ist der natürliche in der Milch und allen Milchprodukten enthaltene Zuckeranteil. Genau genommen handelt es sich bei der Laktose um einen Zweifachzucker. Das bedeutet, Laktose setzt sich aus zwei Zuckermolekülen zusammen, der Galaktose (Schleimzucker) und der Glukose (Traubenzucker). Damit unser Körper den Milchzucker verwerten kann, muss er bei der Verdauung in seine beiden Einfachzucker aufgespalten werden.

Zuständig für die Aufspaltung der Laktose ist ein Enzym mit Namen Laktase, das in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet wird. Produziert der Organismus keine ausreichenden Mengen an Laktase, so können die Milchzuckermoleküle nicht oder nur unzureichend zerlegt werden. Die Laktose kann folglich nicht über die Dünndarmschleimhaut ins Blut aufgenommen und vom Körper verwertet werden. Sie gelangt unverändert in den Dickdarm.

Im Dickdarm wird der Milchzucker von Bakterien zersetzt und verdaut. Bei diesem Gärungsprozess entstehen verschiedene Spaltprodukte, die letztendlich für die mehr oder weniger heftigen Verdauungsbeschwerden verantwortlich sind. So bilden sich unter anderem die Darmgase Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid und auch organische Säuren wie Milch- und Essigsäure. Während die Gase starke, krampfartige Blähungen auslösen, regen die Säuren die Darmbewegung an. Da der Milchzucker außerdem die Eigenschaft hat, Wasser zu binden, kommt es zum sogenannten „osmotischen Effekt“: Zunächst erhöht sich der Druck im Inneren des Dickdarms (osmotischer Druck). Um einen Druckausgleich herzustellen, strömt Wasser in den Darm, was dazu führt, dass sich das Volumen des Dickdarminhalts vergrößert und dadurch Durchfälle ausgelöst werden.

Auslöser einer Laktose-Intoleranz ist ein Mangel an Laktase.
Man unterscheidet drei Ursachen des Laktasemangels:

primärer Laktasemangel (erworbener Laktasemangel):

  • meist ausreichende Laktaseproduktion im Kindesalter
  • sinkende Laktaseaktivität mit fortschreitendem Lebensalter
  • häufigste Form des Laktasemangels
  • besonders verbreitet in Schwarzafrika und China; dort lässt sich bei über 90 Prozent der Bevölkerung ein Laktasemangel feststellen
  • in Deutschland schätzungsweise 15 bis 20 Prozent betroffen

sekundärer Laktasemangel:

  • Folge von Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
  • kann sich nach Heilung der Grunderkrankung wieder normalisieren

kongenitaler Laktasemangel:

  • besteht von Geburt an
  • genetisch bedingter Enzymdefekt
  • sehr selten

  Bei einer Laktose-Intoleranz handelt es sich also keinesfalls um eine allergische Reaktion — auch wenn die Beschwerden ganz ähnlich einer Nahrungsmittelallergie sind —, sondern um einen Enzymdefekt. Der Körper produziert zu wenig Laktase-Enzyme.

Ursachen des Laktasemangels

Laktose-Intoleranz betrifft hauptsächlich Erwachsene. Im Kindesalter wird Milch in der Regel gut vertragen.

Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum der Körper weniger oder sogar gar keine Laktase produziert. Untersuchungen zeigen, dass die Produktion von Laktase stetig mit dem Alter abnimmt. Dieser natürliche Vorgang lässt sich damit erklären, dass Säuglinge das Enzym benötigen, um den Milchzucker der Muttermilch verdauen zu können. Sobald die Muttermilch nicht mehr das Hauptnahrungsmittel ist, lässt die Laktaseproduktion nach. Dieser als primärer Laktasemangel bezeichnete Vorgang führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Laktose-Intoleranz. Erst wenn die Laktaseaktivität über die Maßen abnimmt, treten die Verdauungsstörungen auf.

Neben dem primären, sich schleichend entwickelnden Laktasemangel kann es, bedingt durch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zu einer gestörten Laktaseproduktion kommen. In diesem Fall ist von einem sekundären Laktasemangel die Rede, der sich häufig, sobald die Grunderkrankung geheilt ist, zurückbildet.

In asiatischen Ländern ist die Laktose-Intoleranz weit verbreitet. Aus diesem Grund ist die typische asiatische Küche nahezu frei von Milchprodukten.

In sehr seltenen Fällen ist ein angeborener Enzymdefekt Ursache des Laktasemangels. Bei dieser Form ist die Laktasebildung von Geburt an sehr stark eingeschränkt oder aber findet überhaupt nicht statt. Unbehandelt kann diese Erkrankung zu erheblichen Beeinträchtigungen der Wachstums- und Entwicklungsphase des Säuglings führen und sogar lebensbedrohliche Folgen haben.

  Bemerkenswert ist, dass die Laktose-Intoleranz bei einigen Populationen besonders ausgeprägt ist, während sie bei anderen nur selten auftritt. Außerdem gibt es ein „Nord-Süd-Gefälle“. So sind in Schweden knapp 5 Prozent, in Deutschland etwa 14 Prozent, in Süditalien rund 68 Prozent und in weiten Teilen Afrikas und Asiens sogar deutlich über 80 Prozent der Bevölkerung betroffen. Dies hat vermutlich sowohl genetische Ursachen als auch mit den regionalen Ernährungsgewohnheiten zu tun. Es ist davon auszugehen, dass in vielen Ländern – so auch bei uns – durch den zunehmenden Konsum von Milchprodukten und Fertiggerichten, die Milchzucker enthalten, die Zahl der Menschen, bei denen eine Laktose-Intoleranz diagnostiziert wird, weiter steigt.

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